Geschichte des Ortes
Ortschronik
Zusammengestellt nach Aufzeichnungen von Albert Zimmermann und Rudolf Discher.
Viele Funde und Ausgrabungen legen dafür Zeugnis
ab, dass die Esselborner Gemarkung schon sehr früh besiedelt wurde. So legte
man im Jahre 1907 in einer am „Holzweg“ gelegenen Sandgrube das Skelett eines
Mastodons, auch Zitzenzahn-Elefant genannt, frei, was seinerzeit in
wissenschaftlichen Kreisen großes Aufsehen erregte. Das Mastodon befindet sich
derzeit in der Präparation im Museum in Darmstadt und wird in der neuen
Schausammlung wieder präsentiert.
Weitere Funde von Knochen und Zähnen
voreiszeitlicher Tiere werden dem Antediluvium zugeordnet.
Die ältesten Beweise einer früheren menschlichen Besiedlung führen in die Steinzeit zurück. In der Gewann „Neunmorgen“ wurden nicht nur Werkzeuge und zahlreiche keramische Scherben von Steinzeitmenschen, sondern auch zwei Hockerskelette mit Grabbeigaben aufgefunden. Diese Menschen dürften nach wissenschaftlichen Schätzungen etwa um 2000 vor Christi in Esselborn gelebt haben.
In den Museen zu Alzey, Worms, Mainz, Wiesbaden und Darmstadt kann man noch heute Werkzeuge, Gefäße und Schmuckstücke aus der Stein-, Bronze- und La-Tène-Zeit bewundern, die in der Gemarkung gefunden wurde.
Auch die Römerherrschaft (etwa 50 bis 400 nach Christi Geburt) hinterließ ihre Spuren. So deckt man in Dorfnähe mehrere römische Gräber auf. In fränkischen Gräbern (etwa 400 bis 850 n. Ch.) legte man Gewandspangen, Armringe mit Kunstornamenten, Glas- und Bernsteinperlen, sowie eine bronzene Schüssel frei.
Die älteste urkundliche Erwähnung von Esselborn stammt aus dem Jahr 763 (Lorscher Stiftungsurkunden). Zur damaligen Zeit regierte Pippin der Jüngere, der Vorgänger Karls des Großen, auf dem Frankenthrone, der 754 dem Papst den Kirchenstaat schenkt. Das Dorf wird damals noch Escilebrunnin, später auch Haschibrun im Wormsgau, genannt. Eine weitere Namenswandlung können wir 1288 feststellen. In diesem Jahr schenkt Hermanus, eine einstiger Leutpriester, alle seine Besitzungen in den Dörfern und Gemarkungen Eschilburnin (Esselborn) und Kedinheim (Kettenheim) der Klostervorsteherin und dem Konvent (Versammlung der Klosterinsassen) von Altenmünster in Mainz (Urkunde im Mainzer Stadtarchiv).
Vermutlich schon im 12. Jahrhundert hatten die Herren von Stralenberg die Hoheit über das Dorf Esselborn und übten auch die Schutzherrschaft über die Kirche aus. Dieses Patronatsrecht besaßen später die Ritter von Löwenstein als Lehen (Nutzungsrecht).
Die Grafen von Sponheim besaßen schon 1044 ein Hofhaus mit beachtlichem Feldbesitz ebenso die Klöster Weidas bei Dautenheim und Otterberg in der Pfalz.
Nach dem 30jährigen Krieg wurde die Gemeinde durch den Kurfürsten Karl Ludwig aus der Pfalz (1648 - 1680) der Verwaltung des Oberamtes Alzey unterstellt. Sie verblieb bei der Kurpfalz bis zur Französischen Revolution.
Für die bürgerliche Bevölkerung von Esselborn blieb damals wenig freies Land übrig. Wegen den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen sind immer wieder viele Esselborner ausgewandert und haben in der Fremde ihr Glück gesucht. So wanderten im Jahr 1748 die Familien Arnold, Keth, Liesfeld und Weingarten mit ca. 30 Personen, einem Ruf Friedrichs des Großen folgend, nach Friedrichswalde in Brandenburg aus.
Später folgten dann noch die Familien Riff, Windmuth, Johann Heck und Christian Heck. Wegen dieser vielfachen verwandtschaftlichen Verhältnisse bestehen seit Jahren freundschaftliche Verbindungen zu Friedrichswalde und im Jahre 1999 wurde ein Partnerschaftsvertrag unterzeichnet.
Nach einer Aufstellung aus dem Jahre 1778 zählte die Gemeinde 216 Einwohner. Davon sollen noch 38 Männer und 49 Frauen Leibeigene gewesen sein. Erst nach der Französischen Revolution wurde dann die Leibeigenschaft abgeschafft.
Nach der Französischen Besatzungszeit unter Napoleon kam Esselborn 1816 zu Hessen, wo es bis 1945 verblieb.
Andere Familien wanderten nach Amerika aus: Philipp und Johann Zimmermann (um 1870), Johann und Heinrich Menninger sowie die Familie Achenbach.
Der erfolgreichste Auswanderer der Gemeinde Esselborn dürfte Gustav Clauss II. gewesen sein, der 1861 nach Patras (Griechenland) auswanderte und dort eine Weinkellerei gründete (Achaia Clauss). Diese Kellerei existiert heute noch. Zwar ist sie heute nicht mehr im Familienbesitz, ist aber die drittgrösste Weinkellerei Griechenlands. Ein besonderer Verdienst von Gustav Clauss war die Erfindung des Likörweins Mavrodaphne.
Ein anderer bekannter Sohn Esselborns ist der Mundartdichter Georg Dietrich, der Ende des vergangenen Jahrhunderts lebte, und der verschiedene Episoden aus dem Esselborner Leben in Gedichtform der Nachwelt überliefert („Hirschgeschicht“, „Wolfsgeschicht“, „Ein seltener Fund“, usw.)
Den größten sportlichen Erfolg erreichte unser Mitbürger Joachim Schäfer 1999 bei den Paralympics mit der Erringung der Weltmeisterschaft im Bench-Rest-Schießen in Italien.
Ortswappen

Beschreibung des Ortswappens:
Aus der Genehmigungsurkunde der Bezirksregierung
Rheinhessen-Pfalz vom 10. Juni 1986:
,,In Silber über einem grünen Zweig mit einer roten Rose mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern eine rote Pflugschleife.“
Historie des Ortswappens
Die Annahme von Brilmeyer in seiner
Ortsbeschreibung von 1904, dass Esselborn das Wappen der Ritter von Stralenberg
geführt haben soll, wurde 1938 von A. Menninger in dem Aufsatz
„Dorfgerichtssiegel rheinhessischer Gemeinden“ (Mainzer Zeitschrift, Jahrgang
1938) als falsch bewiesen.
Schon das „S. (Siegel) des gerichts zu Esselborn“ auf einer Schuldurkunde aus dem Jahre 1612 zeigt einen sogenannten Pflugschleifer und darunter im Schildfuß eine gestielte Rose mit einem Blatt.
Ein Pflugschleifer sind zwei miteinander verbundene gekreuzte Balken, auf denen früher der Pflug in Ermangelung eines Karrens von Pferden oder Ochsen ins Feld gezogen wurde. Der Pflugschleifer deutet die im Ort betriebene Landwirtschaft an. Die Rose verweist auf die Rosenkulturen, die ehemals in Esselborn in besonderer Blüte standen und an die noch heute die Flurbezeichnung „Rosengarten“ erinnert.
Ein späteres „Gerichts-Siegel in Esselborn“ aus dem Jahr 1707 zeigt das gleiche Wappenbild. 1938 war in Privatbesitz noch ein weiteres, kleines Siegel aus dem Jahr 1784 erhalten, das rechtlich nicht die Kraft des großen Siegels besaß und besonders beim Versiegeln von Briefen verwendet wurde. Auf diesem Petschaft ist in schlichterer Form nur der Pflugschleifer ohne Rose dargestellt.

